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Vom einfachen Energiefresser zu energieoptimierten Multifunktionsanlagen

Eisbahnanlagen haben sich von einfachen Systemen zu hochkomplexen Energie-Hubs entwickelt. Matthias Brügger, Geschäftsleiter bei Coex, blickt auf diese Transformation zurück und erklärt, warum heute jede Anlage ein massgeschneiderter Prototyp ist, der Kompetenz in der Planung, in der Umsetzung und im Betrieb erfordert.

Die Ära, in der Eisbahnen als reine Kältemaschinen fungierten, ist Geschichte. Wer heute eine Eissportanlage plant, baut längst nicht mehr nur eine Fläche zum Schlittschuhlaufen. Er baut ein intelligentes Energiesystem, das Teil einer hochkomplexen Anlage ist. Matthias Brügger hat diesen Wandel von der Pike auf miterlebt. Er startete seine Karriere bei Gebr. Sulzer AG, Abteilung Anlagenbau Industriekälte – jenem Unternehmen, das einst das Monopol auf Kälteanlagen für Kunsteisbahnen hielt.

Der Weg vom Monopol zum Hightech-Engineering

Vor 50-60 Jahren war die Welt der Kälte simpel: «Die Anlagen bei Sulzer waren im Vergleich zu anderen Industrieanlagen recht einfach», erinnert sich Brügger. «Es gab keine Zusatzfunktionen wie Abwärmenutzung. Die Kälteanlage hat gekühlt, eine fossile Heizanlage hat gewärmt – das war damals strikt getrennt.»

Doch die Ansprüche an Ökologie und Ökonomie haben die Spielregeln komplett verändert. In den letzten 15 bis 20 Jahren haben sich Eisbahnen zu eigentlichen Energiedrehscheiben entwickelt. Heute sind sie Eiskälteanlage, Klima- und Entfeuchtungskälteanlage und Wärmepumpe für mehrere Senkesysteme in einem. Die Abwärme, die bei der Eiserzeugung entsteht, wird nicht mehr ungenutzt in die Atmosphäre geblasen, sondern wird für die Klimatisierung des Gebäudes oder die Warmwasseraufbereitung recycelt. «Heute sind wir eine Energiedrehscheibe und holen energetisch das absolute Optimum heraus», so Brügger. Genau hier setzt Coex an und realisiert Eisbahnprojekte, welche diese komplexen Energieflüsse effizient beherrschbar machen.

Ein Baukasten mit unbegrenzten Möglichkeiten

Jede Anlage ist heute ein Unikat. Zwar gibt es technologische Bausteine, doch wie diese im Sinne eines Baukastens zusammengesetzt werden, hängt von den individuellen Bedürfnissen ab. Es gilt, aus einer riesigen Auswahl an Technologien, Kältemitteln und Konzepten genau die richtigen «Bauklötze» zu finden.

Dabei ist die Grösse der Anlage nicht gleichbedeutend mit ihrer Komplexität. Oft sind es gerade die räumlichen Rahmenbedingungen oder spezifische Energieflüsse, die ein Projekt zu einem echten Prototypen machen. Da jede Anlage in ihrer exakten Form und Konstellation zum ersten Mal realisiert wird, ist Engineering-Arbeit von Grund auf gefordert. «Es gibt nichts aus dem Katalog. Jede Anlage muss auf die spezifischen Kundenbedürfnisse konzipiert werden. Dafür braucht es Spezialwissen auch über das eigene Fachgebiet hinaus. Das ist eine Spezialdisziplin, wie sie in dieser Form nur im Eissportbau Anwendung findet», erklärt Brügger.

Neue Eissporthalle Islas in St. Moritz (Vis. Penzel Valier)

Von damals: veraltete, aber solide, langlebige Kälteanlage

Moderne und effiziente Kälteanlage im Eisbahnbereich

 
Beratung auf Augenhöhe

Für die meisten Kunden ist der Bau einer Eisbahn ein «Once-in-a-Lifetime»-Projekt. Während Kunden in der klassischen Industrie oft genau wissen, welche technischen Standards sie benötigen, herrscht im Eissport ein anderer Beratungsbedarf. Deshalb ist von unserer Seite nicht nur technisches Wissen gefragt, sondern eine intensive Begleitung.

«Die Kundenberatung hat einen extrem hohen Stellenwert bekommen», betont Matthias Brügger. «Man muss die Kunden abholen, sie beraten und gemeinsam herausfinden, welches Konzept für ihre spezifische Anwendung am besten funktioniert.» Es geht weniger um reine Verkaufsgespräche als vielmehr um eine partnerschaftliche Führung durch den Dschungel an Möglichkeiten. Dabei greift Brügger auch mal zu anschaulichen Mitteln: «Ich habe Kunden auch schon mal mit Legoklötzen demonstriert, wie ihre Anlage funktionieren wird. Ich möchte, dass das Gegenüber wirklich versteht, in was investiert wird.»

Wissenstransfer: Erfahrung für die nächste Generation

Heute schliesst sich für Matthias Brügger ein Kreis. Viele der alten Sulzer-Anlagen, die er vor Jahrzehnten als junger Projektleiter realisiert hat, haben ihren Lebenszyklus erreicht und werden nun durch moderne, hocheffiziente Systeme ersetzt.

Diesen Erfahrungsschatz gibt er heute mit Freude weiter. Es ist ihm ein Anliegen, sein tiefes Fachwissen im Team zu teilen: «Ich finde es toll, dass ich meine Erfahrung den jungen Leuten bei Coex mitgeben kann. Ein schöner Nebeneffekt ist, dass unser Know-how dadurch als Firma noch breiter aufgestellt ist.»

Während das Technische das solide Handwerk darstellt, liegt die eigentliche Herausforderung darin, bei der Vielzahl an komplexen Projekten – nicht nur im Eisbahnbereich – stets die Übersicht zu behalten. Nur so gelingt es, für jeden Kunden eine massgeschneiderte Lösung zu realisieren, die sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich überzeugt.

 

« Ich finde es toll, dass ich meine Erfahrung den jungen Leuten bei Coex mitgeben kann. Ein schöner Nebeneffekt ist, dass unser Know-how dadurch als Firma noch breiter aufgestellt ist.

Matthias Brügger

Geschäftsleitung Coex Kälteplanung AG


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